47 Jahre lang haben die Frauen der Mittwochsturngruppe jedes Jahr die Wettener Kirmespuppe gebaut. Jetzt trafen sie sich mit den Voleyballfrauen, um bei einem feucht-fröhlichen Abend in den Räumen der Kornbrennerei Moosbur zu feiern und die Tradition weiterzugeben.
Hier sind ein Rückblick von Wilma Vos und einige Fotos des Abends.

Übergabe der Verantwortung für die Kirmespuppe

( Freitag, den 23.3.2018 bei Moosbur!!! )

Liebe Turnschwestern es ist soweit

Die Mittwochsfrauen verabschieden sich heut;
nicht vom Verein, das stellen wir klar,
nur von der Kirmespuppe, die wir gestalteten Jahr für Jahr.
Im Jahre `71 alles begann,
der Sportverein stellte den Festkettenträger – es war ein Mann.
Wer für die erste Kirmespuppe verantwortlich war, das wissen wir genau:
Annemie Simmes, Irmgard Bogers und Anni Kroppen – also von Anfang an eine Turnerfrau.
Die Pupp lag auf `ner Leiter und wurde getragen,
im Jahr drauf saß sie dann schon im Bollerwagen.
Mitten auf dem neu gepflasterten Markt haben wir sie verbrannt.
Helmus Franz hielt ne Rede – um ihn herum eine große Schar,
und Kösters Köb war mit de Quetschkommode da.
Schon damals stimmten wir an, was jeder behält:
das Lied von dem Raben, der von et Stöcksken fällt.
Von da an war es das Privileg der Turnerfrauen –
und wir ließen es uns nicht nehmen, jedes Jahr eine Puppe zu bauen.
Immer sah sie so aus wie der Festkettenträger oder die Festkettenfrau,
am Anfang nahmen wir es noch nicht ganz so genau.
Doch mit den Jahren wurd`s immer besser, es entwickelte sich dann,
wir bauen die schönste Kirmespuppe – Frau oder Mann.
Die letzten Jahre hatten wir es gut, ich sag`s frank und frei,
denn da hatten wir Gisela und Rolf Schatten als Designerin und Macher dabei.

Wie oft sind wir durchs Dorf gezogen von Haus zu Haus,
Ein Beispiel:
War Mine Broeckmann mal nicht zu Haus,
stellte sie für uns die gut gefüllte Kühltasche heraus.
Ein paar Häuser weiter herrschte Rauchverbot – und was passierte dann?
Genau, das stachelte ein paar Turnfrauen besonders an:
Zigaretten raus, auch wenn man beim rauchen hustet,
vorm Briefschlitz gelegen und den Qualm in die Wohnung gepustet.
Aber bei vielen waren wir immer willkommen,
viel Freude gehabt, manch Schnäpschen gekippt und uns doch nie daneben benommen.
Einmal, ich weiß es noch genau, Musikverein und Feuerwehr zelebrierten zugleich
Auf dem Platz vor der Kirche den großen Zapfenstreich.
Ortsvorsteher Hans Broeckmann kam angerannt
und hielt uns` ne Predigt wutentbrannt:
Ihr lieben Frauen seid still, der Zapfenstreich ist ein ernstes Programm
Und ich wünsche von Euch hier kein Tamtam.
Da packten wir ein unsere Trommeln und Tröt,
denn schließlich wußten wir alle, wat sich gehört.
Und als alles vorbei war, ich seh`s noch genau,
da stand Lore, Döres seine Frau,
auf einmal mitten auf nem Tisch
und hielt auch ne Rede frank und frisch:
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, die ihm den Rücken stärkt!
Merkt euch das, ihr Mädels, für euer Leben
Und darauf wollen wir noch einen heben..

Die Stunden verflogen immer wie im Nu
Und unser Alkipegel nahm manchmal kräftig zu.
Zur Geisterstunde um 12 wurd` die Puppe dann verbrannt,
damit die Kirmes ein Ende fand.
Am Anfang waren es nur wir Turnerfrauen, die die Puppe in den Himmel schickten,
bis das Präsidium meinte, es wäre zu schad` –
und den Festgebenden Verein auch dazu bat.
Unsere schönste Kirmes, wie kann es anders sein,
da trug unsere Inge die Festkette  für den Sportverein.
Evi als Adjutantin, das war für uns klar,
wir wußten es schon, bevor die Proklamation zu Ende war.
Denn wer so eng befreundet, beide füreinander brennen
Die kann man auch mit de Kirmes nicht trennen.
So war auch unsere Überlegung bei dem Kirmespuppbau:
Ganz einfach: wir gestalten gleich zweimal `ne Frau.
Wir ha`m euch auf nem Fahrrad durch Wetten gezogen
Und ein Stern ging auf am Firmament, das ist nicht gelogen.
Wenn ihr heute des nachts nach Hause geht,
der hellste Stern, der am Himmel steht,
heißt seit damals „ Inge-Evchen“, beim Verbrennen der Puppe beschlossen,
denn wir alle haben die Kirmes toll genossen.
Noch vieles könnt` ich berichten, noch vieles benennen,
doch das würde den Rahmen heute sprengen.

Jetzt ist es soweit:
Wir wollen den Bollerwagen übergeben an euch, denn die nächste Kirmes ist schon in Sicht
Führt die Tradition fort – wie lange wissen wir nicht.
Nur eines ist wichtig: es soll viel Freude bringen
Macht `was daraus und: Immer gutes Gelingen!

Wilms Vos

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